Vereinsziele
Das Gebiet der Euregio Rhein-Maas war eines der ersten und bedeutendsten Industriezentren in Europa. Der Verein HisTech e.V. möchte die Spuren dieser industriellen Vergangenheit sichern und dokumentieren. Hier lesen Sie, wer wir sind, und was wir mit unserer Arbeit bezwecken ...
Warum Industrie- und Technikgeschichte der Euregio Rhein-Maas?
Das Gebiet der heutigen Euregio ist durch eine mannigfaltige Industriekultur geprägt worden. Seit der Spätantike ist die montanwirtschaftliche und gewerbliche Nutzung der anstehenden Ressourcen nachweisbar. Orte, die heute eher ruhig und beschaulich wirken, waren früher industriell geprägt. An vielen Stellen, an denen sich heute Waldflächen oder Wohnsiedlungen befinden, gab es Bergwerke, Metallverhüttung, chemische Werke und vielerlei andere Industrie.
Die Goldschmiedekunst und Metallbearbeitung des gesamten Rhein-Maas-Gebietes gewann im Mittelalter eine große Bedeutung und unterstreicht die Rolle dieser Region als frühes Zentrum der Metallbearbeitung. Von den Kenntnissen der karolingischen Hüttenleute und Gießer zeugen noch heute die Bronzetüren des Aachener Doms und die Bronzegitter des Oktogons. Grundlegend waren neben dem handwerklichen Geschick die Bodenschätze, die Energiereserven und der Technologietransfer. Hier sind vor allem die Galmeigruben bei Kelmis und die Erzgruben des Aachen-Stolberger Raumes sowie der Eifel zu nennen. Als Energieträger standen Holzkohle, Wasserkraft und später Steinkohle zur Verfügung.
Der Wasserreichtum des Aachener Talkessels war eine Voraussetzung für den Aufstieg einer bedeutenden Tuchindustrie. Die technischen Fertigkeiten der metallverarbeitenden Gewerbe zogen im 17. und 18. Jahrhundert den Aufstieg des Nadelgewerbes als bedeutendstem Gewerbe dieser Epoche nach sich.
Von kaum überschätzbarer Bedeutung für die Entwicklung der Rhein-Maas-, aber auch der Rhein-Ruhr-Region war die zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung, die von England über Belgien kommend Deutschland erfaßte. Gewerbe- und Unternehmerfleiß wurden durch die unter Napoleon eingeführte Wirtschaftsfreiheit und durch ausreichend zur Verfügung stehendes Kapital angekurbelt.
Gute Kontakte zu England, dem Mutterland der Industrialisierung, die Öffnung Belgiens für englische Ingenieure und ausländisches Kapital ließen Belgien zum Industriemusterstaat werden. William und John Cockerill stehen für den Technologietransfer von England nach Belgien und Deutschland. Lange bevor die Stahlindustrie an der Ruhr einen Namen hatte, genoß das Cockerillsche Werk in Seraing Weltruf. Auch im Bereich der Kohleförderung können die lokalen Abbaugebiete Inde- und Wurmrevier eine weiter zurückreichende Tradition vorweisen als das Ruhrrevier. Tuch- und Nadelindustrie gaben wichtige Impulse zur Entstehung von Kratzen-, Schermesser- und Maschinenfabriken. Viele dieser Firmen hatten bis nach dem 2. Weltkrieg eine weit über die Region hinausgehende Bedeutung, die die im Konzentrationsprozess übriggebliebenen Unternehmen heute immer noch haben.
Die Diversifikation der Technik und ihrer zahlreichen Spezialgebiete wird seit über 125 Jahren von der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen gefördert. Zahlreiche Ingenieure sind hier ausgebildet worden und ha- ben hier gewirkt; wichtige Erfindungen und Verfahrenstechniken wurden und werden hier entwickelt.
Nicht zuletzt der Strukturwandel in der Euregio führte zu einem Niedergang der Schwerindustrie und zu einer Reduzierung der Produktionsstätten ehemals bedeutsamer Industriezweige wie die der Tuch- und Nadelherstellung. Mit dem Ende zahlreicher Fabriken und Kohlegruben verschwanden in den meisten Fällen auch deren bauliche Überreste. Nur wenige Gebäude konnten umgenutzt und so erhalten werden. Noch radikaler war der Schwund alter Maschinen: Bis in die allerneueste Zeit hinein wurden seltene Exemplare verschrottet oder ins In- und Ausland verkauft. Im Zuge dieser Entwicklung ist das Wissen über die bedeutsame, historisch einmalige industrielle Vergangenheit dieser Region für den größten Teil der hier ansässigen Bevölkerung verschüttet worden.
Vereinsziele
HISTECH fördert und betreibt die Erfassung und Beschreibung technikgeschichtlicher Monumente, das Auffinden und die Auswertung von schriftlichen Quellen und einschlägiger Literatur und setzt sich für den Erhalt technikgeschichtlich bedeutsamer Monumente der Region ein. Nicht jedes aufgelassene Industriegebäude, nicht jede Brachfläche oder Haldenlandschaft kann museal genutzt werden. Besser als ein Abriß ist jedoch die Umnutzung solcher technischer Artefakte. Der ursprüngliche Sinnzusammenhang eines Industriedenkmals sollte ablesbar bleiben. Das Schmuddelimage von Technik- und Industriekultur ist obsolet. Alte Wassermühlen sind Ausflugsziele, Fabrikanlagen sind heute für die Gewerbe-, Wohn- und Freizeitnutzung interessant. Stillgelegte Steinbrüche sind als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Kompetente konzeptionelle Mitarbeit bei der Suche nach neuen Nutzungskonzepten, oder der Integration in das Freizeit- und Bildungsangebot der Euregio wird angeboten:
- Die Veranstaltung von Gesprächskreisen über historische Technik und Arbeitsbedingungen eröffnet historisch Interessierten ein Diskussionsforum und trägt zum Verständnis und zur Identifikation mit regionaler Kultur bei.
- Informationsangebote und -austausch über technik- und sozialgeschichtliche Entwicklungen, Monumente und Veranstaltungen erfolgen über Treffen, Veröffentlichungen und das Internet.
- Ein Teil dieser Lobbyarbeit für die industriegeschichtliche Vergangenheit soll unsere Messe historischer Technik "HISTECH" vermitteln: in (noch unbestimmter) Zukunft soll eine "Leistungsschau" zum Thema "historische Technik" in Aachen stattfinden. Firmen, Hersteller, Verbände, Vereine und Sammler sind zur Mitarbeit aufgerufen. Der Werkstattcharakter und die Vielfalt der Aktivitäten sollen die ganze Bandbreite der regionalen Technikkultur vor Augen führen.
Wir über uns
1993 gründete sich der Verein "HISTECH". Verein für regionale Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Er ging hervor aus einer Initiative von Architekten, Denkmalpflegern, Historikern und Ingenieuren, die sich der Aufarbeitung und Darstellung der technikhistorischen Bedeutung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Stadt und Region Aachen, des Rheinlandes und der angrenzenden Länder verschrieben hatten.

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