Exponante des Textilmuseums Aachen
Oben:
Krempelmaschine, vermutlich aus der Werkstatt John Cockerills,
Verviers ca. 1810.
Mitte:
Krempelmaschine, ca. 1950.
Unten:
Mechanischer Webstuhl, um 1920.
Ein Textilmuseum für Aachen
von Anke Asfur, Jochen Buhren und Andreas Lorenz
Tuche aus Aachen – einst ein international bekanntes Markenzeichen, heute im Bewusstsein der Aachener Bürger weitgehend verblasst. Wer mit offenen Augen durch das Stadtgebiet geht, der findet viele Spuren der ehemals blühenden Textilindustrie. Aber es gibt noch keinen Ort in der Stadt, an dem das große textilgeschichtliche Erbe Aachens bewahrt und vermittelt wird. Die Stadt Aachen braucht ein Zentrum, in dem an diesen Teil der regionalen Geschichte lebendig erinnert und handwerkliche und industrielle Produktionsweisen anschaulich vermittelt werden.
Die Erinnerung bewahren und die Geschichte weiter spinnen
Um das textilgeschichtliche Erbe zu bewahren, haben ehemalige
Textilunternehmer, Mitarbeiter der Textilindustrie, Lehrer,
Historiker und Museumsfachleute 2003 den ‚Verein zur Pflege
der Aachener Textilindustrie-Geschichte e. V.’
gegründet. Der Verein hat in den letzten Jahren eine
umfangreiche Sammlung zur Textilgeschichte der Region zusammen
getragen. Herzstück dieser Sammlung sind zahlreiche
Textilmaschinen, darunter ein Selfaktor, Krempelmaschinen und
Reißwölfe für eine Spinnereiausstellung,
außerdem Spul- und Kettschärmaschinen sowie Hand- bzw.
mechanische Webstühle für eine Webereiausstellung. Der
Grundstock einer Ausstellung zu Appretur und Färberei ist
ebenfalls gelegt. Die älteste Maschine ist ein Krempel aus der
Werkstatt der Familie Cockerill in Verviers, aus der Zeit um
1810.
Neben den großen Maschinen konnten vor allem Nachlässe
Aachener Firmen gesichert werden, darunter Akten, Kontobücher,
Korrespondenz, Photographien und historische Fachliteratur, deren
Auswertung es ermöglicht, die wirtschaftliche Entwicklung
etlicher regionaler Textil- und Zuliefererbetriebe ausführlich
nachzuvollziehen und darzustellen.
Darüber hinaus verfügt der Verein über eine
ausgezeichnete Sammlung an Musterbüchern, Produktproben und
Schaukästen. Diese Exponate repräsentieren die Produkte
der Textilindustrie in ihrer ganzen Vielfalt.
Ein Museum in Bewegung
Das Konzept eines Textilmuseums für Aachen sieht ein Museum
in Bewegung vor. Funktionsfähige Spinnmaschinen und
Webstühle sollen Arbeitsbedingungen und
Produktionsabläufe sinnlich erfahrbar machen. Ehemalige
Textilarbeiter und Unternehmer erzählen ihre Geschichte.
Spinnerei, Weberei, Veredelung und Zulieferindustrie bilden den
thematischen Rahmen für eine lebendige Geschichte der Aachener
Textilindustrie. In der Komericher Mühle in Aachen-Brand,
Standort der ehemaligen Streichgarnspinnerei Kutsch, entsteht auf
einer Ausstellungsfläche von ca. 300 qm eine Ausstellung zur
Spinnereitechnik und zu den Anfängen der Industrialisierung im
Indetal.
Bereits seit 2003 wird am Aufbau dieses Museums gearbeitet. Die
Aufbauarbeit leisten ehrenamtliche Helfer, ehemalige
Textilfacharbeiter und Textilingenieure, die ihr Fachwissen und
ihre langjährige handwerklich-technische Erfahrung in das
Projekt mit einbringen
Um auch junge Menschen an das Thema heranzuführen, sind von
Anfang an Schülergruppen zweier Aachener Gymnasien beim Aufbau
beteiligt, sowohl im technischen Bereich, als auch bei der
Erarbeitung kleinerer Ausstellungen, im Kontext des Schulprojektes
‚denkmal-aktiv’ der Deutschen Stiftung
Denkmalschutz.
Mit Ihrer Unterstützung der nächste Schritt
Der Verein strebt die Übernahme eines größeren, ehemaligen Textilstandortes in Aachen an. Hier wäre genug Platz für eine thematisch breit gefächerte Präsentation der Aachener Tuchindustrie, beginnend mit dem Ende der Zünfte und dem Übergang zur fabrikmäßigen Produktion. Die Textilmaschinen werden zum attraktiven Mittelpunkt, indem sie nach ihrer Restaurierung in Betrieb genommen und damit in Aktion erlebt werden. Der Standort erhält durch die Begegnung mit den Textilfachleuten neues Leben. Sie geben mit ihrer Arbeit im Museum ihr Know-how über die vielfältigen Arbeitsschritten der Tucherzeugung weiter und helfen, die Erinnerung an das einst blühende regionale Textilgewerbe zu bewahren. Durch die Mitgliedschaft des ‚Rheinischen Industriemuseums im Landschaftsverband Rheinland’ und des Industriemuseums ‚Zinkhütter Hof’ in Stolberg ist für die Einbindung in die regionale Museumslandschaft gesorgt. Darüber hinaus bestehen enge Kontakte zum Textilmuseum ‚Centre Touristique de la Laine et de la Mode’ in Verviers. Kontakte zu textiltechnischen Forschungsein- richtungen der RWTH Aachen wurden geknüpft und sollen intensiviert werden, um die Zukunftsfähigkeit Aachens als Textilstandort deutlich zu machen.
Ein Textilmuseum in Aachen braucht neben der Dauerausstellung auch Raum für museumspädagogische Arbeit und Veranstaltungen, damit die Schätze der Sammlung einer breiteren Öffentlichkeit erschlossen werden können. In den letzten Jahren ist eine qualitativ bemerkenswerte Szene regionaler und überregionaler Textilkünstler entstanden. Es bietet sich an, diesen Künstlern im Rahmen gemeinsamer Projekte, Wechselausstellungen und Veranstaltungen im Textilmuseum ein Forum zu geben. Die Dauerausstellung zur Textilgeschichte am authentischen Ort – einer ehemaligen Textilfabrik in Aachen – wäre zudem ein guter Rahmen für Firmenpräsentationen und Tagungen rund um Textilindustrie und -forschung. An einem solchen Ort gibt es dann auch die Möglichkeit, wieder traditionelles Textilhandwerk zu etablieren, das mit Schauvorführungen und eigenen Produkten zu einer lebendigen Fortführung textilen Know-hows beiträgt.
KontaktVerein zur Pflege der Aachener Textilindustrie-Geschichte e.V.
c/o Andreas Lorenz / Preusweg 119 / 52074 Aachen
Informationen bei Jochen Buhren / Tel.: 0172-5645008
info@textilmuseum-aachen.de
www.textilmuseum-aachen.de
Sparkasse Aachen, Kto. 47985569, BLZ: 390 500 00


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