S.A. Traitex, Verviers: Impressionen
Wollwäsche
Wollwäsche und Karbonisierung spielten in der Textilindustrie Verviers eine bedeutende Rolle. Zahlreiche Aachener Tuchfabriken bezogen die aufbereitete Wolle aus Verviers. Dem Niedergang des traditionsreichen Gewerbes der Wollwäscher in Verviers ist nur ein Unternehmen entronnen, die Firma "S.A. TRAITEX". Diese Firma ist hervorgegangen aus einem 1981 erfogten Zusammenschluß der Firmen "Solvent Belge" und "Lavoir & Carbonisage de Dolhain". Als Produktionsstätte dienten die Gebäude der 1899 gegründeten Firma "Solvent Belge" in der Rue de Limbourg.
S.A. Traitex, Verviers
7. Juni 2001
Am Donnerstag, den 7. Juni 2001 besuchten Mitglieder des "Vereins für regionale Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte" die Firma "Traitex S.A. " in Verviers, einem Zusammenschluß der ehemaligen selbstständigen Firmen "Solvent Beige" und „Lavoir & Carbonnissage de Dolhain".
Auf dem Firmengelände begrüßte uns Herr
Sagehomme, der uns die verschiedenen Fabrikationstechniken in
charmanter Weise erklärte.
Die erste Station war ein inzwischen stillgelegter Maschinenraum,
in dem sich fünf Dampfmaschinen verschiedener Bauart aus dem
Ende des 19.Jahrhunderts befanden. Eine Maschine -obwohl schon
über 100 Jahre alt- war noch voll funktionstüchtig und
wurde uns mit berechtigtem Stolz vorgeführt. Die
Dampfmaschinen hatten verschiedene Funktionen, entweder stellten
sie durch Kompression Druck oder ein Vakuum her; denn in der
benachbarten Halle befanden sich zahlreiche hochaufgerichtete
Stahlbehälter, die ursprünglich oben mit Wolle beschickt
wurden. Mittels der Dampfmaschine wurde im Behälter ein Vakuum
erzeugt, damit die Extraktionsflüssigkeit mit hohem Druck
besser das Lanolin (Wollfett) aus der eingefüllten Wolle
auswaschen konnte. Da die Extraktionsflüssigkeit hochgradig
explosionsgefährlich war, konnten die Dampfmaschinen nie durch
Elektromotoren ersetzt werden. Das gewonnene Lanolin wurde wegen
seiner hervorragenden Hautverträglichkeit vor allem an
Kosmetikfirmen verkauft.
Die Entfettung erfolgt heute in Maschinen, in denen ein Band von
ca. 40 Meter Länge die Wolle an Spritzdüsen mit
Lösungsmittel vorbeiführt, bzw. durch Walzen leitet.
Danach erfolgt ein erstes leichtes Waschen. Anschließend
gelangt die Wolle zur Karbonisierung und Staubentfernung. Gewaltige
Exhauster transportieren das Wollgut zur Karbonisiermaschine. Sie
hat die Aufgabe, die pflanzlichen Reste in der Wolle zu beseitigen.
Dies erfolgt mittels verdünnter Schwefelsäure und hoher
Temperatur. Dadurch werden Pflanzenreste karbonisiert (verkohlt).
Die Wolle ist bekanntlich gegen verdünnte Säuren
unempfindlich und wird durch diesen Prozeß nicht
geschädigt.
In gewaltigen Wollwaschstraßen - auch Leviathane - genannt -
wird die Wolle entsäuert. Große Rechen transportieren die
Wolle durch die Waschlauge. Dabei wird der Schmutz aus der Wolle
beseitigt und das Waschgut entfettet. Das leicht strähnige
Material wird anschließend "kardiert", d.h. die einzelnen
Wollsträhnen werden mehr oder weniger aufgelöst, damit
sie später in der Spinnerei weiter verarbeitet werden
können.
Beim anschließenden Rundgang durch die weitläufigen Lagerhallen für Wollballen (aus zahlreichen Ländern und verschiedenen Kontinenten) gelangten wir schließlich zu den Aufbereitungsanlagen für Wolle und Haare. Dabei ist zu erwähnen, daß Merinowolle der feine, die Crossbreads dagegen der gröbere Wolltyp ist. Irrig ist die Meinung, daß Haare immer gröber als Wollen sind. Es gibt Tierhaare, die die Feinheit der Wolle weit übertreffen. Cashmere (Unterhaar) -obwohl von Ziegen stammend- hat die bei weitem feinsten tierischen Fasern. Neben originärer Wolle werden in der Firma TRAITEX S.A. auch Kämmlinge verarbeitet. Sie entstehen beim Kämmen der Wollfasern. Dabei werden die kurzen (Merino)-Fasern ausgekämmt, so dass die langen Fasern übrig bleiben, welche dann zu Kammgarn versponnen werden (z.B. für Oberbekleidungsstoffe). Da Kämmlinge bereits früher gewaschen werden, steht hier das Karbonisieren im Vordergrund. Kämmlinge werden als hochwertiges Material vor allem mit längeren, gröberen Wollen gemischt und später meist zu Streichgarnen weiterverarbeitet, z.B. zu Mantelstoffen oder auch zu Filztuchen.
Die Besuchsteilnehmer waren am Ende der Führung froh,
wieder frische Luft zu atmen, denn eine Wollwasch- und
Karbonisieranlage arbeitet mit viel Staub und großer
Hitze.
Bericht: Edgar Brück, Aachen

Fotos: Christoph Hilser

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