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HeadBorn Of Fire

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Pittsburgh und das Ruhrgebiet in Bildern der Kunst
Eine Kooperation mit dem Westmoreland Museum of American Art, Greensburg, Pennsylvaniaing

Sonderausstellung des Rheinischen Industriemuseums, Schauplatz Oberhausen
4. Februar 2007 - 1. Mai 2007
Transatlantischer Brückenschlag
Das Rheinische Industriemuseum, das sich schon vielfach mit Partnermuseen im europäischen Raum vernetzt hat, holt zum größten Brückenschlag seiner vergleichsweise kurzen Geschichte aus. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Dauerausstellung Schwer.Industrie am Schauplatz Oberhausen wird die transatlantische Verbindung gesucht: 60 Oelbilder, Grafiken und Fotografien haben sich über den großen Teich nach Oberhausen aufgemacht. Absender ist das Westmoreland Museum of American Art in Greensburg, nahe Pittsburgh im Staate Pennsylvania.
 
Pittsburgh –  ein Synomym für Amerika
Der Name Pittsburgh ist Programm. Stand doch diese Stadt wie keine andere für die Stahlindustrie auf dem amerikanischen Kontinent, für den ehemaligen „Rust Belt“ und für eine rasante Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Pittsburgh war ein Synonym für Amerika, für den amerikanischen Aufbruch ins Industriezeitalter. Seine Hochöfen und Stahlwerke nährten den Aufbau der Großstädte mit ihren Wolkenkratzern. Ohne sie gäbe es kaum die sich in die endlosen Weiten des Kontinents erstreckenden Eisenbahnlinien, aber auch nicht die mächtigste Militärmaschine der Welt.
An das historische Pittsburgh, „that built a nation“, erinnern die Werke, die jetzt im Rheinischen Industriemuseum präsentiert werden. Hier heißt es mit besonderer Betonung: Pittsburgh meets Oberhausen the very first time: Bilder der amerikanischen Stahlmetropole treffen nämlich erstmals auf Darstellungen des größten industriellen Ballungszentrums Europas. Auch wenn die Bildwerke aus der Sammlung des Rheinischen Industriemuseums auf einer kleinen Auswahl fußt: Sie bietet Anlässe, Vergleiche zu ziehen, Ähnlichkeiten zu finden, aber auch Unterschiede aufzudecken.
Industrie-Ästhetik
Keineswegs selbstverständlich, dass sich Maler und Zeichner unvoreingenommen nach Motiven aus der Welt der Arbeit umschauten. Sie waren klar die Ausnahme, als die beginnende Industrialisierung mit ihren Irritationen und Umbrüchen eher die Rückbesinnung auf unberührte Natur und pastorale Idylle nahe legte. Aber Joseph Pennell (1860-1926), Aaron Harry Gorson (1872-1933) und Otto Kuhler (1894-1976) wird die Industriestadt Pittsburgh geradezu zur künstlerischen Offenbarung. 
Für Pennell galt „die Welt der Arbeit als das Größte“ und Pittsburgh war ihm „the Work city of the world“. Kritikern galt Gorson als „Brush Poet of Steel“. Ihm haben es vor allem das nächtliche Licht der Ofenabstiche und die Positionslampen auf dem dicht beschifften Monongahela River angetan. Der aus Remscheid stammende Kuhler wollte an der Kunstakademie Düsseldorf keine Äpfel und Birnen malen und lobte dafür Pittsburgh als den „malerischsten Ort der Welt“. Und anders als Gorson malte er die Fabriken nicht nur bei Nacht. Mit seinem „Steel Valley, Pittsburgh“, das er 1925 auf die Leinwand bannte, sei ihm eine ikonische Repräsentation des Stahlerbes dieser Stadt gelungen, schreibt die Kuratorin der amerikanischen Ausstellung, Barbara L. Jones.
Anders der Ton in Arbeiten der sozial und politisch engagierten Künstlerinnen und Künstler, die sozusagen näher herangehen und genauer hinsehen. Thomas Hart Benton (189-1975) hält in seiner Lithographie „Strike“ von 1933 mit seiner Sympathie für die tödlich bedrängten Grubenarbeiter nicht hinter den Berg. Elizabeth Olds (1896-1991) befasst sich in ihrer Zeichnung „Steel Town“ von 1937 mit dem mühseligen Leben in Arbeitersiedlungen: Die auf der Leine hängende Wäsche verschmutzt wieder noch bevor sie trocknen kann. Darunter befinden sich Arbeiter im Gespräch, deren unterschiedliche Hautfarbe auch auf die nicht immer einfache Lebensverhältnisse von Immigranten anspielt.
Rasantes Ende
Das vergleichsweise schnelle Ende der einst boomenden Stahlstadt wird u. a. von den Arbeiten eines Ron Donoughe, Jahrgang 1959, begleitet. Kleinformatig und nahezu schnappschussartig hält er zum Beispiel die Neville Coke Works noch im Jahr 2002 fest. Solche Motive gelten seit der Stahlkrise der 1970er Jahre nicht mehr als selbstverständlich. Die Fabriken, sagt er, „just begged to be painted“. Die 1918 geborene Fotografin Aarol deRoy Gruber wurde vom Gelände gejagt, als sie „End of an Era“ (1998) mit ihrer Widelux aufnahm, eine gewissermaßen aus der Hüfte geschossene Elegie auf die schon marode Duquesne Works Steel Mill.   
 
Ein anderes Erinnern?
Anders als im Ruhrgebiet, das doch so oft mit dem  „Wilden Westens“ assoziiert wird, gibt es in Pittsburgh mittlerweile kaum noch bauliche Hinterlassenschaften der einstigen „Work City of the World“. Die City mit  ca. 330.000 Einwohnern in einem Ballungsraum von nahezu 2,5 Millionen, hat sich, so eine Selbstanzeige im Internet, „von der früheren schmutzigen Industriestadt zu einer der freundlichsten Städte Amerikas entwickelt“: 8 Autostunden von New York, 5 von Washington und 4 ½  von den Niagara-Fällen entfernt. Da scheint die Vergangenheit der Stahlwerke, der Koks- und Hochöfen eher zu stören. Deshalb ist es das Verdienst des Museums in Greensburg, eine Epoche wieder vor Augen zu führen, die schon fast ganz in Vergessenheit geraten, ja verdrängt worden war.
Im Unterschied zu Pittsburgh gründet die europäische Erinnerung an das industrielle Zeitalter trotz aller Denkmalfrevel viel stärker auf architektonischen Relikten, auf umgenutzten Denkmälern und nicht zuletzt auf eine große Zahl von Technik- und Industriemuseen. Da spielen zwangläufig nicht die Bilder die Hauptrolle als historische Rückspiegel. Und doch transportieren sie Aussagen und Eindrücke, die ebenso bei uns zum kulturellen Erbe des Industriezeitalters zählen. So verfügt auch das Rheinische Industriemuseum über einen Fundus an hochkarätigen Bildwerken, etwa von, oder auch Bernd und Hilla Becher, Friedrich Einhoff, Richard Gessner, Herman Heijerbrock, Ria Picco-Rückert, die das Ruhrgebiet mit vielen Facetten zum Thema machen.
Unangenehme Wahrheiten
Die zahlreichen Stadt- und Werksansichten mit theatralisch inszenierten Feuern und grandios gemalten Dunstschleiern um Hochöfen und Stahlwerke mögen die „Inconvenient Truth“ (Al Gore) wohl auf Distanz halten, können sie aber kaum verheimlichen: dass nämlich auch die Gewöhnung an eine monströse Belastung der Umwelt zum Erbe des Industriezeitalters zu rechnen ist. Haben doch selbst die heute blauen Himmel über Pittsburgh und über der Ruhr an der steigenden Erderwärmung nicht viel geändert.

Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag: 10-17 Uhr,
Adresse: Rheinisches Industriemuseum, Hansastraße 20, 46049 Oberhausen
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in englischer Sprache, die CD "Songs of Steel" und der Film "How Pittsbourgh built a nation"
Information und Buchung von Führungen: kiR - kulturinfo Rheinland: Tel.: 01805-743465 (0,12 € / Min.)

(Quelle: Landschaftsverband Rheinland – Rheinisches Industriemuseum)