Verlorene Gemälde des Suermondt-Ludwig-Museums
Suermondt-Ludwig-Museum
06.09.08 - 08.02.09
Allzu leicht vergisst man, dass die Geschichte einer Sammlung
nicht allein durch die hinzugewonnenen Werke, sondern in
erheblichem Maße auch durch die Verluste geprägt wird.
Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum beleuchtet diesen Teil seiner
Geschichte in einer Ausstellung zu den Gemälden, die es im
Lauf seines Bestehens 'verloren' hat und bekräftigt damit
zugleich seine größtenteils auch heute noch bestehenden
Besitzansprüche.
Dank der frühzeitig begonnenen fotografischen Dokumentation
seiner Bestände auf hochwertigen Glasplatten-Negativen kann
das Aachener Museum mit Reproduktionen des überwiegenden Teils
der Verluste aufwarten. Die Ausstellung präsentiert
exemplarisch eine Auswahl von circa 80 in Originalgröße
reproduzierten Gemälden, die teilweise durch noch vorhandene
Pendants oder von den heutigen rechtmäßigen Besitzern
geliehene Werke ergänzt werden.
Bei den Verlustgemälden handelt es sich in erster Linie um
Werke, die - heute meist subsumiert unter dem Begriff "Beutekunst"
– zum Schutz vor Bombardierungen in die Meißener
Albrechtsburg ausgelagert worden waren, wo sie wahrscheinlich
unmittelbar nach dem Krieg von so genannten "Trophäenbrigaden"
beschlagnahmt und in die Sowjetunion verbracht wurden. Vermutlich
auf mehrere der ehemaligen Sowjetrepubliken verteilt, fristen sie
nunmehr ein Schattendasein in nicht öffentlich
zugänglichen Depots.
Ganz unabhängig von der Qualität der 'verlorenen'
Gemälde, zeigen bereits die Zahlen, wie einschneidend diese
weitgehend kriegsbedingten Verluste für das Aachener Museum
sind: von den 576 im Katalog von 1932 verzeichneten Werken sind
über 200 verschwunden. Allein die heute noch etwa 200
Stücke zählende Abteilung der niederländischen
Malerei aus der Zeit zwischen 1500 und 1800 ist von über 120
Verlusten betroffen.
Bei den Recherchen zu dieser Ausstellung und dem damit verbundenen
Katalog (Band II in der Reihe der Bestandskataloge) wurden auch all
jene, archivalisch noch dokumentierten Gemälde erfasst, die
zerstört, gestohlen oder wieder verkauft bzw. gegen andere
Werke eingetauscht wurden – einschließlich der im 3.
Reich als "entartet" beschlagnahmten Werke. Im Katalog sind zudem
solche Werke aufgenommen, die in den 40er Jahren im besetzten
Frankreich erworben worden waren und, soweit noch greifbar, in den
50er Jahren restituiert wurden. Zur Ausstellung erscheint ein
deutlich umfangreicherer Katalog im Hirmer Verlag.
Ausstellungseröffnung: Freitag, 5. September 2008, 19 Uhr.
Ausstellungskurator: Dr. Heinrich Becker.
(Quelle: Suermondt-Ludwig-Museum)

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