Das 1876 erbaute und im II. Weltkrieg zerstörte Chemische
Laboratorium der Technischen Hochschule in Aachen galt als eines
der modernsten und fortschrittlichsten seiner Zeit. Bauzustand um
1920.
(Bildquelle: RWTH Aachen)
Mens agitat molem
Klaus Ricking
Der Geist bewegt die Materie
125 Jahre Geschichte der RWTH Aachen
Der Geist bewegt die Materie (Mens agitat molem). Dieser lateinische Spruch zierte das Portal des im letzten Krieg zerstörten großen Chemischen Laboratoriums der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen am Templergraben neben dem Hauptgebäude. Er stammte zwar aus der Feder des lateinischen Dichters Vergil (Äneis VI, 727) charakterisiert aber auch das Selbstverständnis des ersten Direktor des Aachener Polytechnikums August von Kaven. Der Spruch war die programmatische Essenz eines technik- und fortschrittsgläubigen Eisenbahningenieurs und vieler seiner Kollegen. Er hielt sich selbst und das preußische Polytechnikum, das er leitete, für jene Leuchte der Wissenschaft, die dem im dunklen Katholizismus gefangenen Aachen das Licht wissenschaftlicher Erkenntnis aufstecken sollte. Gerade während des Kulturkampfes gestaltete sich daher das Zusammenleben zwischen von Kaven und einem Teil seiner Studenten auf der einen und den Aachener Bürgern auf der anderen Seite nicht immer einfach. Volkes Stimme kolportierte Kavens pompösen, in Stein gemeißelten Anspruch gern mit den Worten: Der Mensch agitiert mit de mul. Nicht der Geist bewege die Materie, sondern der Mensch (gemeint ist Kaven) agiere oder agitiere mit dem Maul.
Diese gegenseitige Einschätzung prägte für viele Jahre das Verhältnis von Stadt und Hochschule. Mittlerweile ist das Verhältnis allerdings deutlich besser geworden. Man hatte die Zeit dazu. Immerhin feierte die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule 1995 ihren 125jährigen Geburtstag. Diesem Anlaß verdankt die vorliegende kleine Hochschulgeschichte ihre Entstehung.
Die 1995 gedruckte Fassung ist mit mancherlei Schwächen und Unzulänglichkeiten versehen und eine geplante illustrierte elektronische Fassung ist aus mancherlei Gründen nie erschienen. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, hier eine zunächst in statu nascendi befindliche bisher erst leicht redigierte Fassung ins Internet zu stellen und sie nach und nach zu korrigieren, zu überarbeiten und zu illustrieren.


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