Otto Intze (1843 - 1904)
Prof. für Wasserbau und Baukonstruktion
1895-1898 Rektor der Aachener Hochschule
(Bildquelle: Archiv RWTH)

Das Mißtrauen zwischen einer überwiegend katholischen Aachener Bevölkerung und dem protestantischen preußischen Staat äußerte sich über lange Jahrzehnte in gegenseitigen politisch-weltanschaulichen Vorbehalten. Die offizielle preußische Kirchenpolitik gegenüber der katholischen Rheinprovinz hatte immer wieder zu Irritationen in katholischen Bevölkerungskreisen geführt. Auch bei der Standortdiskussion um das neue Polytechnikum zwischen Köln und Aachen hatte man innerhalb der preußischen Staatsregierung regelmäßig mit dem Argument der "ultramontanen Haltung" der Aachener Bürger gegen die Stadt als Hochschulstandort polemisiert. Vereinzelt hatte es in Aachen zudem schon in der Gründungsphase religiös, sprich katholisch motivierten Widerstand gegen eine Hochschulgründung gegeben.
Zudem war der prozentuale Anteil der protestantischen
Bevölkerung in Aachen zwar sehr gering, seine wirtschaftliche
Bedeutung und sein kommunalpolitischer und gesellschaftlicher
Einfluß aber waren überproportional hoch. Zugleich
gehörte diese wirtschaftliche Oberschicht zu den wesentlichen
Befürwortern und Förderern einer Aachener
Hochschulgründung. Das politisch-weltanschaulich Gedankengut,
aus dem heraus die polytechnischen Schulen entstanden, beruhte
darüber hinaus weitgehend auf liberalen,
fortschrittsorientierten und materialistischen Ideen, die im
krassen Gegensatz zu den gesellschaftlich konservativen, eher
metaphysisch und sozial orientierten Vorstellungen eines zunehmend
politischen Katholizismus standen. Als Materialisation liberaler
und fortschrittlicher Vorstellungen, die durch eine damals gerade
aktuelle päpstliche Enzyklika als Irrtümer der
Zeit gebrandmarkt waren, zudem als Bildungsinstitution eines
als Vorkämpfer des Protestantismus empfunden Staates, stand
das Polytechnikum bei einem Teil der Aachener Bevölkerung
daher von vornherein im Verdacht, ein mögliches Werkzeug
preußisch-protestantischer Staatsgewalt gegen rheinischen
Katholizismus zu sein. Und wenn auch der scharfzüngige,
protestantische Polytechnikumsdirektor August von Kaven in
öffentlichen Reden mehr oder minder deutlich gegen
ultramontanes Gedankengut polemisierte, so durfte die neue Anstalt
sich von vornherein der mißtrauischen Aufmerksamkeit eines
nicht unbeträchtlichen Teils der Aachener Bevölkerung
gewiß sein. Gleichzeitig wurde aber von den
ultramontanen Kritikern der Aachener Hochschule immer
wieder betont, man habe eigentlich nichts gegen das Polytechnikum,
allenfalls etwas gegen den Geist, der dort herrsche.
Das Mißtrauen und die latenten Vorbehalte mußten in dem
Augenblick akut werden, als der religiös-weltanschauliche
Konflikt zwischen katholischer Stadt und protestantischem Staat im
sogenannten Kulturkampf aktuell wurde und sich
Polytechnikumsangehörige in diesem Konflikt lautstark zu Wort
meldeten.
Bereits kurze Zeit nach der Eröffnung der Hochschule hatten
sich in Aachen studentische Vereine gegründet, aus denen sich
im Verlauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte Verbindungen und
Korporationen entwickelten. Bis auf die in der 1871
gegründeten katholischen Verbindung Carolingia
organisierten Studenten, unterstützen diese weitgehend
borussisch und national gesinnten Gruppierungen die preußische
Kulturkampfgesetzgebung. Es kam immer wieder zu antikatholischen
Vorfällen, die weite Teile der Aachener Bevölkerung
verbitterten. Sei es, daß Polytechniker zu Zeiten des I.
Vatikanischen Konzils in öffentlichen Veranstaltungen die
Entwicklungen der
reellen Wissenschaften als mit dem katholischen Glauben
nicht vereinbar bezeichneten, oder Studenten wie im Juli 1874 der
Minerva-Statue bekanntlich die Göttin der Weisheit auf dem
Dache des Polytechnikums anläßlich der Aachener
Heiligtumsfahrt die Augen mit einem Trauerflor verbanden,
damit sie nicht nicht den Frevel an dem Menschengeiste durch diese
Aachener Wallfahrt sehen müsse, wie es in einem anonym
verfaßten und im Polytechnikum ausgehängten polemischen
Spottgedicht hieß. Im Jahre 1874, welche Schmach, im
Sclavendienste dieser Schwarzen noch zu stehen. Bald sei es
vorbei mit dieser Geistestyrannei, dichtete der anonyme
Verfasser, wenn endlich, endlich auch die finstern Nebel
Aachens der Wahrheit strahlend Licht zertheilt und ein geistig
freies und befreites Volk nicht mehr Gefallen finden kann an diesen
dummen Gaukeleien, zu denen heute hin die Menschen
pilgern.
1875 pries der Student und Vorsitzende des bereits im Dezember 1870
gegründeten Polytechniker-Vereins Franz Reichel - er wurde
später Königlicher Gewerberat für den Bezirk Aachen
- den preußischen Kultusminister und exponierten
Kulturkämpfer Adalbert Falk anläßlich seines
Besuches in Aachen als einen Genius seiner Zeit, der Wiederkehr
dumpfen Autoritätsglaubens wehrt und das geistige Element der
Völker in seiner freien Entwicklung schirmt und
sicherstellt. Ihm zu Ehren veranstalteten die
Verbindungsstudenten einen aufwendigen Fackelzug durch die Stadt,
während die Aachener Bevölkerung dem Schauspiel stumm und
mit kühler Ablehnung zusah.
Der Direktor des Polytechnikums August von Kaven war selbst
Parteigänger des nationalliberalen preußischen
Kultusministers Falk. Von Kaven sah die Aktivitäten seiner
Studenten nicht ohne Sympathie und verhehlte seine
Einschätzung über das
ultramontane Aachen keineswegs. Im August 1875
erklärte er etwa auf der 16. Hauptversammlung des Vereins
Deutscher Ingenieure in Aachen öffentlich: Die Mutter der
Anstalt war die Idee einiger aufgeklärter, liberaler
Bürger dieser Stadt, hier, wo es am dunkelsten in Deutschland
ist, für Pflege der Wissenschaft zu sorgen, damit es heller
werde.
Diese Bemerkung löste eine wütende Zurückweisung in
der Stadtverordnetenversammlung durch den Aachener
Reichstagsabgeordneten und Zentrumspolitiker Josef Lingens
(1818-1902) aus. Wenn ein anonymer Schreiber aus der Nachbarschaft
des Polytechnikums von Kaven sogar Schläge androhte oder
unerkannte Täter ihm in der Pfingstnacht 1876 die
häuslichen Fensterscheiben einwarfen, so wirft dies ein
bezeichnendes Licht auf die "Popularität", die der erste
Direktor des Polytechnikums bei manchem Aachener Bürger
genoß.
Es war wohl auch und vor allem diese nationalliberale,
kulturkämpferische Haltung von Kavens, die im Sommer und
Herbst 1878 eine mehrteilige, anonym von dem aus Köln
stammenden Philosophen und Jesuitenpater Tilman Pesch (1836-1899)
verfaßte Artikelserie im katholischen Aachener Echo der
Gegenwart ausgelöst hatte, bei der heftig und polemisch
der am Polytechnikum vertretene unchristliche Geist und die von
Herrn von Kaven protegierte Philosophie angegriffen wurde.
Äußerer Anlaß für diese Zeitungsartikel war
eine offenkundig sehr gut besuchte, öffentliche Vortragsreihe
des Philosophen und Nietzsche-Freunds Paul Deussen (1845-1919), der
damals als Privatdozent am Polytechnikum Über die
Grundlagen der Metaphysik allgemein und speziell über die
Philosophie des von ihm besonders verehrten Schopenhauers vortrug.
Deussen, Pfarrerssohn aus Oberdreis im Westerwald, war als
Hauslehrer eines russischen Fürstensohnes nach Aachen
gekommen.
Der Kulturkampf riß aber nicht nur Gräben zwischen der
Hochschule und der Stadt auf. Die weltanschaulichreligiösen
Gegensätze spalteten auch die Studenten und das
Lehrerkollegium. Zwischen 1875 und 1880 zerfiel das Professorium
offenkundig in zwei Fraktionen. An der Spitze der kleineren
Professorengruppe stand von Kaven, während der
größere Teil der Lehrer sich um den ehemaligen Aachener
Gewerbeschuldirektor Adolf Wüllner scharte. Inwieweit
kulturkampfbedingte Differenzen oder der persönliche,
teilweise wohl sehr autoritäre Führungsstil von Kavens
hier eine Rolle spielten, ist heute kaum mehr feststellbar. Aber es
bleibt immerhin bemerkenswert, daß besonders der Kreis um
Wüllner sich 1879/80 für die neue Verfassung und die
Aufhebung des Direktorats von Kavens einsetzte.
Sieht man von den Auseinandersetzungen des Kulturkampfes ab, so
hatte die Hochschule seit ihrer Eröffnung immer wieder die
Kooperation mit der Stadt, ihren Institutionen und der regionalen
Wirtschaft gesucht. Schon 1871 hatte von Kaven befürwortet,
daß die Aachener Elementarschullehrer zur Weiterbildung
unentgeltlich die ordentlichen Vorlesungen des Polytechnikums
besuchen konnten und war bemüht, durch öffentliche
Veranstaltungen die neue Hochschule auch den Aachener Bürgern
zugänglich zu machen. An ein breiteres Publikum richteten sich
vor allem die allgemeinbildenden Vorträge der Kunsthistoriker,
wie die von Karl Lemcke (geb. 1831), die
populärwissenschaftlichen Vorlesungen des
Nationalökonomen Heinrich Contzen (geb. 1835) oder die schon
angesprochenen öffentlichen Vorträge des Philosophen Paul
Deussen, der später die Schopenhauer-Gesellschaft
gründete und eine erste Gesamtausgabe der Schopenhauerschen
Werke besorgte.
Umgekehrt ließen sich eine Reihe vorwiegend
gewerblichwirtschaftlicher Fächer überhaupt nur mit Hilfe
lokaler Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Behörden
anbieten. So machten etwa die örtlichen Telegraphen-Direktoren
bzw. Inspektoren Nesener und Wark noch vor der Einrichtung eines
elektrotechnischen Kurses an der Hochschule mit ihren Vorlesungen
über Praktische Telefonie und Telegraphie die
angehenden Ingenieure mit den ersten technischen Anwendungen von
Elektrizität bekannt.

Otto Intze (1843 - 1904)
Prof. für Wasserbau und Baukonstruktion
1895-1898 Rektor der Aachener Hochschule
(Bildquelle: Archiv RWTH)
Wie groß die Bedeutung der Aachener Hochschule für die
regionale Wirtschaft in den Anfangsjahren war, ist nicht ganz
einfach abzuschätzen. Im Gegensatz zu anderen Lehrern der
ersten Generation am Polytechnikum, ist offenkundig allein Otto
Intzes Personalakte bis heute erhalten geblieben. In ihr findet
sich eine eigenhändige Auflistung, was Intze neben seiner
Hochschultätigkeit zwischen 1870 und 1880 in Aachen und
unmittelbarer Umgebung entworfen und in der Bauausführung
geleitet hat.
Es waren insgesamt neun Wasserrad-Anlagen in Eupen,
Buschmühle, Trimborn, Stolberg Kornelimünster und
für die Bleihütte Binsfeldhammer der
Rheinisch-Nassauischen Bergwerks-Gesellschaft; ein
Überfallwehr in der Rur bei Linnich/Rurdorf, zwei Tuchfabriken
in Aachen (Lochner bzw. Ritz & Vogel) und den Umbau einer
Tuchfabrik in Kornelimünster (Bischoff), zwei
Kunstwollfabriken in Monschau (Müller/Schleicher), eine
Spinnerei und Weberei (Schwamborn & Krabb) bei Aachen und drei
Central-Luft-Heizungen in der Stadt selbst. Dazu kamen
eine Reihe von technischen Untersuchungen und Expertisen für
Privatpersonen, Gerichte und die Stadtverwaltung als technischer
Berater des Aachener Wasserwerks.
Intze war zweifelsohne eine Ausnahmeerscheinung, was seine
technische Kreativität und Produktivität betrifft.
Insofern vermitteln seine Aktivitäten nicht unbedingt einen
repräsentativen Querschnitt, inwieweit die ersten Professoren
des Aachener Polytechnikums außerhalb ihrer Lehrtätigkeit
in der regionalen Wirtschaft tätig wurden. Man darf allerdings
wohl davon ausgehen, daß nicht allein Otto Intzes Lehrauftrag
ausdrücklich vorsah, auch als befruchtender und praktisch
tätiger Ingenieur außerhalb der Hochschule zu wirken.

Franz Ewerbeck (1839-1889)
Professor für Architektur (Formenlehre der Baukunst) an der
RWTH Aachen
(Bildquelle: Archiv RWTH Aachen)
Es liegt in der Natur ihrer Tätigkeit, daß man bei den
Architekten und Bauingenieuren wohl am ehesten noch Relikte ihrer
praktischen und privatwirtschaftlichen Tätigkeit findet. Von
dem Architekten Franz Ewerbeck (1839-1889) existiert bis heute
zumindest noch ein 1876 gebautes Haus in der Aachener
Lousbergstraße, einer damals bevorzugten Wohngegend Aachener
Professoren, sowie Entwürfe zu Bebauungsplänen des
Lousbergviertels. Die von Karl Henrici (1842-1927) und Intze um
dieselbe Zeit erbauten und bewohnten Häuser Krefelderstr. 21
und Theresienstr. 4 stehen bis heute.
Kaum noch bekannt dürfte hingegen das von dem mindestens
ebenso wie Intze produktiven Bauingenieur Friedrich Heinzerling im
Auftrag einer Aktiengesellschaft, deren Vorstandsvorsitzender er
selbst war, entworfene und am 20. Juli 1881 eröffnete erste
öffentliche Hallenschwimmbad der Stadt am Aachener
Adalbertsteinweg sein, eine Schwimm-Halle mit angeschlossenen
Restaurationsbetrieb, die 1911 in städtische Leitung
überging und schließlich den Bomben des II. Weltkriegs
zum Opfer fiel.
Bekannter hingegen ist die Mitarbeit der Polytechnikumsprofessoren
Heinzerling, Intze und Damert an dem vom Verein Deutscher
Ingenieure (VDI) und dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute
(VDEh) initiierten und 1882 erstmals erschienenen Deutschen
Normalprofil-Buch für Walzeisen zu Bau- und
Schiffbauzwecken.
Wohl der Aachen-Münchener Versicherung, einem der Hauptförderer der Aachener Hochschule geschuldet und etwas aus dem Rahmen seiner sonstigen Veröffentlichungen fielen beim Aachener Mathematikprofessor Karl Hattendorf (1834-1882), Schüler von Bernhard Riemann (1826-1866) und Herausgeber von dessen Vorlesungen, die Ausführungen in der Rundschau der Versicherungen über Das mittlere Maass der Sterblichkeit einer Altersgruppe oder über Prämien-Reserve und Prämien-Uebertrag bei der Lebensversicherung.
Leichter nachzuweisen sind die Aktivitäten Aachener Professoren in regionalen Vereinen und Verbänden. Die erste, durch Mitglieder der neuen Aachener Hochschule initiierte Gründung eines Vereins war die der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Aachen, deren Gründungsversammlung am 12. Februar 1871 stattfand. Der Physikprofessor am Polytechnikum Adolf Wüllner wurde Mitbegründer und erster Vorsitzender dieser Gesellschaft und blieb es bis zu seinem Tode 1908. Neben Wüllner zählten noch die Hochschulprofessoren Hugo Laspeyres, der Mathematiker Theodor Reye (1838-1919) und die Chemiker Hans Heinrich Landolt (1831-1910) und Karl Stahlschmidt (1831-1902) zu den Gründungsvätern. Aus Stadt und Region gehörten der Direktor der Oberrealschule und VDI-Mitbegründer Joseph Pützer, der Direktor der Stolberger chemischen Fabrik Rhenania Robert Hasenclever, der Generaldirektor der AG für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen Elias Landsberg (1820-1888), der Geologe Ignaz Beissel (1820-1877), der Stadtphysikus Matthias Debey und der Apotheker Viktor Monheim (1813-1897) diesem Verein an. Zweck der Gesellschaft war die gegenseitige Information über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften durch Vorträge und Experimente. 107 Personen nahmen bereits an der Gründungsversammlung teil. Bis zur Jahrhundertwende stieg die Mitgliederzahl auf 220 Personen. Die regelmäßigen Sitzungen dieser Gesellschaft fanden in den Räumen und mit den technischen Mitteln der Hochschule statt.

Friedrich Heinzerling (1824-1906)
Prof. für Brückenbau und höhere
Baukonstruktionen.
1892-1895 Rektor der Aachener Hochschule.
1874 Mitbegründer und erster Vorsitzender des Architekten- u.
Ingenieurvereins in Aachen und in dieser Funktion als Delegierter
bei den Delegiertenversammlungen in Dresden 1878, in Heidelberg
1879 und in Danzig 1881.
1878 Mitbegründer und Vorsitzender des Gewerbevereins für
Aachen, Burtscheid und Umgegend.
1878 Begründer des Aachener Docentenvereins, Delegierter der
TH auf den Konferenzen der deutschen und preussischen Techn.
Hochschulen in Berlin 1880, Hannover 1885 und Eisenach 1894.
1881 Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Aachener
Aktiengesellschaft der von ihm entworfenen "Schwimmanstalt am
Kaiserplatz" (im II. Weltkrieg zerstört).
1883 Mitbegründer der höheren Webeschule für die
Wollenindustrie in Aachen.
1888 Mitbegründer und Vorsitzender der deutschen
Kolonialgesellschaft, Abt. Aachen.
Nach ihm war die Heinzerlingstraße in Aachen benannt (nach dem
II. Weltkrieg in Geschw.-Scholl-Straße umbenannt).
Das von ihm in Aachen erbaute und bewohnte Wohnhaus in der
Lousbergstr. 34 ist bis heute erhalten.
(Bildquelle: Archiv RWTH Aachen)
Der bereits mehrfach erwähnte Friedrich Heinzerling hatte
schon den Bautechnischen Verein in Aachen gegründet, den
späteren Architekten- und Ingenieurverein, aus dem heraus er
1878 die Gründung eines Gewerbevereins initiierte.
Dieser sollte in Zusammenarbeit mit Vertretern der heimischen
Industrie und des örtlichen Gewerbes, sowie Vertretern von
staatlichen und städtischen Behörden für die
Hebung und Förderung aller Gewerbe hiesiger Gegend, zumal in
einer wirtschaftlich gedrückten Zeit wirken. Durch
Vorträge, Ausstellungen, Vereinsausflüge, Bibliothek und
Sammlungen sollten technischen Fortschritte innerhalb der einzelnen
Gewerbe, aber auch Entwicklungen auf dem Gebiet der
Gewerbegesetzgebung allgemein unter den Gewerbetreibenden bekannt
gemacht werden. Gleichzeitig bildeten die Versammlungen eine
Informationsbörse, in denen technische Anfragen an die
entsprechenden Fachleute gestellt werden konnten oder auch neue
Werkzeuge, Werkzeugmaschinen oder andere technische Produkte oder
Verfahren vorgestellt wurden.
Auf Kosten und im Auftrag dieses Vereins hielt der Gewerbelehrer
Heinrich Joseph Spennrath (1852-1902) 1881/82 an zwei Abenden in
der Woche Vorträge über gewerbliches Rechnen,
Buchführung, Mechanik, Physik und Chemie. Aus diesen
Vorträgen ging mit Hilfe städtischer Mittel zunächst
eine gewerbliche Abend- und Sonntagsschule hervor, aus der heraus
1887 eine zweijährige gewerbliche Tagesschule der Stadt Aachen
entstand, die mit Spennrath als Direktor und über 2000
Schülern 1897 ein eigenes Gebäude an der
Martinstraße bezog. Bis heute befindet sich dort eine der
gewerblichen Schulen der Stadt Aachen.