1870-1880

Das Verhältnis von Stadt und Hochschule

Das Mißtrauen zwischen einer überwiegend katholischen Aachener Bevölkerung und dem protestantischen preußischen Staat äußerte sich über lange Jahrzehnte in gegenseitigen politisch-weltanschaulichen Vorbehalten. Die offizielle preußische Kirchenpolitik gegenüber der katholischen Rheinprovinz hatte immer wieder zu Irritationen in katholischen Bevölkerungskreisen geführt. Auch bei der Standortdiskussion um das neue Polytechnikum zwischen Köln und Aachen hatte man innerhalb der preußischen Staatsregierung regelmäßig mit dem Argument der "ultramontanen Haltung" der Aachener Bürger gegen die Stadt als Hochschulstandort polemisiert. Vereinzelt hatte es in Aachen zudem schon in der Gründungsphase religiös, sprich katholisch motivierten Widerstand gegen eine Hochschulgründung gegeben.

Zudem war der prozentuale Anteil der protestantischen Bevölkerung in Aachen zwar sehr gering, seine wirtschaftliche Bedeutung und sein kommunalpolitischer und gesellschaftlicher Einfluß aber waren überproportional hoch. Zugleich gehörte diese wirtschaftliche Oberschicht zu den wesentlichen Befürwortern und Förderern einer Aachener Hochschulgründung. Das politisch-weltanschaulich Gedankengut, aus dem heraus die polytechnischen Schulen entstanden, beruhte darüber hinaus weitgehend auf liberalen, fortschrittsorientierten und materialistischen Ideen, die im krassen Gegensatz zu den gesellschaftlich konservativen, eher metaphysisch und sozial orientierten Vorstellungen eines zunehmend politischen Katholizismus standen. Als Materialisation liberaler und fortschrittlicher Vorstellungen, die durch eine damals gerade aktuelle päpstliche Enzyklika als Irrtümer der Zeit gebrandmarkt waren, zudem als Bildungsinstitution eines als Vorkämpfer des Protestantismus empfunden Staates, stand das Polytechnikum bei einem Teil der Aachener Bevölkerung daher von vornherein im Verdacht, ein mögliches Werkzeug preußisch-protestantischer Staatsgewalt gegen rheinischen Katholizismus zu sein. Und wenn auch der scharfzüngige, protestantische Polytechnikumsdirektor August von Kaven in öffentlichen Reden mehr oder minder deutlich gegen ultramontanes Gedankengut polemisierte, so durfte die neue Anstalt sich von vornherein der mißtrauischen Aufmerksamkeit eines nicht unbeträchtlichen Teils der Aachener Bevölkerung gewiß sein. Gleichzeitig wurde aber von den ultramontanen Kritikern der Aachener Hochschule immer wieder betont, man habe eigentlich nichts gegen das Polytechnikum, allenfalls etwas gegen den Geist, der dort herrsche.
Das Mißtrauen und die latenten Vorbehalte mußten in dem Augenblick akut werden, als der religiös-weltanschauliche Konflikt zwischen katholischer Stadt und protestantischem Staat im sogenannten Kulturkampf aktuell wurde und sich Polytechnikumsangehörige in diesem Konflikt lautstark zu Wort meldeten.

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"Katholische" Stadt und "protestantische" Hochschule

Bereits kurze Zeit nach der Eröffnung der Hochschule hatten sich in Aachen studentische Vereine gegründet, aus denen sich im Verlauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte Verbindungen und Korporationen entwickelten. Bis auf die in der 1871 gegründeten katholischen Verbindung Carolingia organisierten Studenten, unterstützen diese weitgehend borussisch und national gesinnten Gruppierungen die preußische Kulturkampfgesetzgebung. Es kam immer wieder zu antikatholischen Vorfällen, die weite Teile der Aachener Bevölkerung verbitterten. Sei es, daß Polytechniker zu Zeiten des I. Vatikanischen Konzils in öffentlichen Veranstaltungen die Entwicklungen der
reellen Wissenschaften als mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar bezeichneten, oder Studenten wie im Juli 1874 der Minerva-Statue bekanntlich die Göttin der Weisheit auf dem Dache des Polytechnikums anläßlich der Aachener Heiligtumsfahrt die Augen mit einem Trauerflor verbanden, damit sie nicht nicht den Frevel an dem Menschengeiste durch diese Aachener Wallfahrt sehen müsse, wie es in einem anonym verfaßten und im Polytechnikum ausgehängten polemischen Spottgedicht hieß. Im Jahre 1874, welche Schmach, im Sclavendienste dieser Schwarzen noch zu stehen. Bald sei es vorbei mit dieser Geistestyrannei, dichtete der anonyme Verfasser, wenn endlich, endlich auch die finstern Nebel Aachens der Wahrheit strahlend Licht zertheilt und ein geistig freies und befreites Volk nicht mehr Gefallen finden kann an diesen dummen Gaukeleien, zu denen heute hin die Menschen pilgern.
1875 pries der Student und Vorsitzende des bereits im Dezember 1870 gegründeten Polytechniker-Vereins Franz Reichel - er wurde später Königlicher Gewerberat für den Bezirk Aachen - den preußischen Kultusminister und exponierten Kulturkämpfer Adalbert Falk anläßlich seines Besuches in Aachen als einen Genius seiner Zeit, der Wiederkehr dumpfen Autoritätsglaubens wehrt und das geistige Element der Völker in seiner freien Entwicklung schirmt und sicherstellt. Ihm zu Ehren veranstalteten die Verbindungsstudenten einen aufwendigen Fackelzug durch die Stadt, während die Aachener Bevölkerung dem Schauspiel stumm und mit kühler Ablehnung zusah.

Der Direktor des Polytechnikums August von Kaven war selbst Parteigänger des nationalliberalen preußischen Kultusministers Falk. Von Kaven sah die Aktivitäten seiner Studenten nicht ohne Sympathie und verhehlte seine Einschätzung über das
ultramontane Aachen keineswegs. Im August 1875 erklärte er etwa auf der 16. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure in Aachen öffentlich: Die Mutter der Anstalt war die Idee einiger aufgeklärter, liberaler Bürger dieser Stadt, hier, wo es am dunkelsten in Deutschland ist, für Pflege der Wissenschaft zu sorgen, damit es heller werde.
Diese Bemerkung löste eine wütende Zurückweisung in der Stadtverordnetenversammlung durch den Aachener Reichstagsabgeordneten und Zentrumspolitiker Josef Lingens (1818-1902) aus. Wenn ein anonymer Schreiber aus der Nachbarschaft des Polytechnikums von Kaven sogar Schläge androhte oder unerkannte Täter ihm in der Pfingstnacht 1876 die häuslichen Fensterscheiben einwarfen, so wirft dies ein bezeichnendes Licht auf die "Popularität", die der erste Direktor des Polytechnikums bei manchem Aachener Bürger genoß.
Es war wohl auch und vor allem diese nationalliberale, kulturkämpferische Haltung von Kavens, die im Sommer und Herbst 1878 eine mehrteilige, anonym von dem aus Köln stammenden Philosophen und Jesuitenpater Tilman Pesch (1836-1899) verfaßte Artikelserie im katholischen Aachener Echo der Gegenwart ausgelöst hatte, bei der heftig und polemisch der am Polytechnikum vertretene unchristliche Geist und die von Herrn von Kaven protegierte Philosophie angegriffen wurde. Äußerer Anlaß für diese Zeitungsartikel war eine offenkundig sehr gut besuchte, öffentliche Vortragsreihe des Philosophen und Nietzsche-Freunds Paul Deussen (1845-1919), der damals als Privatdozent am Polytechnikum Über die Grundlagen der Metaphysik allgemein und speziell über die Philosophie des von ihm besonders verehrten Schopenhauers vortrug. Deussen, Pfarrerssohn aus Oberdreis im Westerwald, war als Hauslehrer eines russischen Fürstensohnes nach Aachen gekommen.
Der Kulturkampf riß aber nicht nur Gräben zwischen der Hochschule und der Stadt auf. Die weltanschaulichreligiösen Gegensätze spalteten auch die Studenten und das Lehrerkollegium. Zwischen 1875 und 1880 zerfiel das Professorium offenkundig in zwei Fraktionen. An der Spitze der kleineren Professorengruppe stand von Kaven, während der größere Teil der Lehrer sich um den ehemaligen Aachener Gewerbeschuldirektor Adolf Wüllner scharte. Inwieweit kulturkampfbedingte Differenzen oder der persönliche, teilweise wohl sehr autoritäre Führungsstil von Kavens hier eine Rolle spielten, ist heute kaum mehr feststellbar. Aber es bleibt immerhin bemerkenswert, daß besonders der Kreis um Wüllner sich 1879/80 für die neue Verfassung und die Aufhebung des Direktorats von Kavens einsetzte.

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Stadt, Wirtschaft und Polytechnikum

Sieht man von den Auseinandersetzungen des Kulturkampfes ab, so hatte die Hochschule seit ihrer Eröffnung immer wieder die Kooperation mit der Stadt, ihren Institutionen und der regionalen Wirtschaft gesucht. Schon 1871 hatte von Kaven befürwortet, daß die Aachener Elementarschullehrer zur Weiterbildung unentgeltlich die ordentlichen Vorlesungen des Polytechnikums besuchen konnten und war bemüht, durch öffentliche Veranstaltungen die neue Hochschule auch den Aachener Bürgern zugänglich zu machen. An ein breiteres Publikum richteten sich vor allem die allgemeinbildenden Vorträge der Kunsthistoriker, wie die von Karl Lemcke (geb. 1831), die populärwissenschaftlichen Vorlesungen des Nationalökonomen Heinrich Contzen (geb. 1835) oder die schon angesprochenen öffentlichen Vorträge des Philosophen Paul Deussen, der später die Schopenhauer-Gesellschaft gründete und eine erste Gesamtausgabe der Schopenhauerschen Werke besorgte.
Umgekehrt ließen sich eine Reihe vorwiegend gewerblichwirtschaftlicher Fächer überhaupt nur mit Hilfe lokaler Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Behörden anbieten. So machten etwa die örtlichen Telegraphen-Direktoren bzw. Inspektoren Nesener und Wark noch vor der Einrichtung eines elektrotechnischen Kurses an der Hochschule mit ihren Vorlesungen über Praktische Telefonie und Telegraphie die angehenden Ingenieure mit den ersten technischen Anwendungen von Elektrizität bekannt.

Otto Intze (1843 - 1904)

Otto Intze (1843 - 1904)
Prof. für Wasserbau und Baukonstruktion
1895-1898 Rektor der Aachener Hochschule

(Bildquelle: Archiv RWTH)

Wie groß die Bedeutung der Aachener Hochschule für die regionale Wirtschaft in den Anfangsjahren war, ist nicht ganz einfach abzuschätzen. Im Gegensatz zu anderen Lehrern der ersten Generation am Polytechnikum, ist offenkundig allein Otto Intzes Personalakte bis heute erhalten geblieben. In ihr findet sich eine eigenhändige Auflistung, was Intze neben seiner Hochschultätigkeit zwischen 1870 und 1880 in Aachen und unmittelbarer Umgebung entworfen und in der Bauausführung geleitet hat.
Es waren insgesamt neun Wasserrad-Anlagen in Eupen, Buschmühle, Trimborn, Stolberg Kornelimünster und für die Bleihütte Binsfeldhammer der Rheinisch-Nassauischen Bergwerks-Gesellschaft; ein Überfallwehr in der Rur bei Linnich/Rurdorf, zwei Tuchfabriken in Aachen (Lochner bzw. Ritz & Vogel) und den Umbau einer Tuchfabrik in Kornelimünster (Bischoff), zwei Kunstwollfabriken in Monschau (Müller/Schleicher), eine Spinnerei und Weberei (Schwamborn & Krabb) bei Aachen und drei Central-Luft-Heizungen in der Stadt selbst. Dazu kamen eine Reihe von technischen Untersuchungen und Expertisen für Privatpersonen, Gerichte und die Stadtverwaltung als technischer Berater des Aachener Wasserwerks.
Intze war zweifelsohne eine Ausnahmeerscheinung, was seine technische Kreativität und Produktivität betrifft. Insofern vermitteln seine Aktivitäten nicht unbedingt einen repräsentativen Querschnitt, inwieweit die ersten Professoren des Aachener Polytechnikums außerhalb ihrer Lehrtätigkeit in der regionalen Wirtschaft tätig wurden. Man darf allerdings wohl davon ausgehen, daß nicht allein Otto Intzes Lehrauftrag ausdrücklich vorsah, auch als befruchtender und praktisch tätiger Ingenieur außerhalb der Hochschule zu wirken.

Franz Ewerbeck (1839-1889)

Franz Ewerbeck (1839-1889)
Professor für Architektur (Formenlehre der Baukunst) an der RWTH Aachen

(Bildquelle: Archiv RWTH Aachen)

Es liegt in der Natur ihrer Tätigkeit, daß man bei den Architekten und Bauingenieuren wohl am ehesten noch Relikte ihrer praktischen und privatwirtschaftlichen Tätigkeit findet. Von dem Architekten Franz Ewerbeck (1839-1889) existiert bis heute zumindest noch ein 1876 gebautes Haus in der Aachener Lousbergstraße, einer damals bevorzugten Wohngegend Aachener Professoren, sowie Entwürfe zu Bebauungsplänen des Lousbergviertels. Die von Karl Henrici (1842-1927) und Intze um dieselbe Zeit erbauten und bewohnten Häuser Krefelderstr. 21 und Theresienstr. 4 stehen bis heute.
Kaum noch bekannt dürfte hingegen das von dem mindestens ebenso wie Intze produktiven Bauingenieur Friedrich Heinzerling im Auftrag einer Aktiengesellschaft, deren Vorstandsvorsitzender er selbst war, entworfene und am 20. Juli 1881 eröffnete erste öffentliche Hallenschwimmbad der Stadt am Aachener Adalbertsteinweg sein, eine Schwimm-Halle mit angeschlossenen Restaurationsbetrieb, die 1911 in städtische Leitung überging und schließlich den Bomben des II. Weltkriegs zum Opfer fiel.
Bekannter hingegen ist die Mitarbeit der Polytechnikumsprofessoren Heinzerling, Intze und Damert an dem vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh) initiierten und 1882 erstmals erschienenen Deutschen Normalprofil-Buch für Walzeisen zu Bau- und Schiffbauzwecken.

Wohl der Aachen-Münchener Versicherung, einem der Hauptförderer der Aachener Hochschule geschuldet und etwas aus dem Rahmen seiner sonstigen Veröffentlichungen fielen beim Aachener Mathematikprofessor Karl Hattendorf (1834-1882), Schüler von Bernhard Riemann (1826-1866) und Herausgeber von dessen Vorlesungen, die Ausführungen in der Rundschau der Versicherungen über Das mittlere Maass der Sterblichkeit einer Altersgruppe oder über Prämien-Reserve und Prämien-Uebertrag bei der Lebensversicherung.

Leichter nachzuweisen sind die Aktivitäten Aachener Professoren in regionalen Vereinen und Verbänden. Die erste, durch Mitglieder der neuen Aachener Hochschule initiierte Gründung eines Vereins war die der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Aachen, deren Gründungsversammlung am 12. Februar 1871 stattfand. Der Physikprofessor am Polytechnikum Adolf Wüllner wurde Mitbegründer und erster Vorsitzender dieser Gesellschaft und blieb es bis zu seinem Tode 1908. Neben Wüllner zählten noch die Hochschulprofessoren Hugo Laspeyres, der Mathematiker Theodor Reye (1838-1919) und die Chemiker Hans Heinrich Landolt (1831-1910) und Karl Stahlschmidt (1831-1902) zu den Gründungsvätern. Aus Stadt und Region gehörten der Direktor der Oberrealschule und VDI-Mitbegründer Joseph Pützer, der Direktor der Stolberger chemischen Fabrik Rhenania Robert Hasenclever, der Generaldirektor der AG für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen Elias Landsberg (1820-1888), der Geologe Ignaz Beissel (1820-1877), der Stadtphysikus Matthias Debey und der Apotheker Viktor Monheim (1813-1897) diesem Verein an. Zweck der Gesellschaft war die gegenseitige Information über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften durch Vorträge und Experimente. 107 Personen nahmen bereits an der Gründungsversammlung teil. Bis zur Jahrhundertwende stieg die Mitgliederzahl auf 220 Personen. Die regelmäßigen Sitzungen dieser Gesellschaft fanden in den Räumen und mit den technischen Mitteln der Hochschule statt.

Friedrich Heinzerling (1824-1906)

Friedrich Heinzerling (1824-1906)
Prof. für Brückenbau und höhere Baukonstruktionen.
1892-1895 Rektor der Aachener Hochschule.
1874 Mitbegründer und erster Vorsitzender des Architekten- u. Ingenieurvereins in Aachen und in dieser Funktion als Delegierter bei den Delegiertenversammlungen in Dresden 1878, in Heidelberg 1879 und in Danzig 1881.
1878 Mitbegründer und Vorsitzender des Gewerbevereins für Aachen, Burtscheid und Umgegend.
1878 Begründer des Aachener Docentenvereins, Delegierter der TH auf den Konferenzen der deutschen und preussischen Techn. Hochschulen in Berlin 1880, Hannover 1885 und Eisenach 1894.
1881 Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Aachener Aktiengesellschaft der von ihm entworfenen "Schwimmanstalt am Kaiserplatz" (im II. Weltkrieg zerstört).
1883 Mitbegründer der höheren Webeschule für die Wollenindustrie in Aachen.
1888 Mitbegründer und Vorsitzender der deutschen Kolonialgesellschaft, Abt. Aachen.
Nach ihm war die Heinzerlingstraße in Aachen benannt (nach dem II. Weltkrieg in Geschw.-Scholl-Straße umbenannt).
Das von ihm in Aachen erbaute und bewohnte Wohnhaus in der Lousbergstr. 34 ist bis heute erhalten.

(Bildquelle: Archiv RWTH Aachen)

Der bereits mehrfach erwähnte Friedrich Heinzerling hatte schon den Bautechnischen Verein in Aachen gegründet, den späteren Architekten- und Ingenieurverein, aus dem heraus er 1878 die Gründung eines Gewerbevereins initiierte.
Dieser sollte in Zusammenarbeit mit Vertretern der heimischen Industrie und des örtlichen Gewerbes, sowie Vertretern von staatlichen und städtischen Behörden für die Hebung und Förderung aller Gewerbe hiesiger Gegend, zumal in einer wirtschaftlich gedrückten Zeit wirken. Durch Vorträge, Ausstellungen, Vereinsausflüge, Bibliothek und Sammlungen sollten technischen Fortschritte innerhalb der einzelnen Gewerbe, aber auch Entwicklungen auf dem Gebiet der Gewerbegesetzgebung allgemein unter den Gewerbetreibenden bekannt gemacht werden. Gleichzeitig bildeten die Versammlungen eine Informationsbörse, in denen technische Anfragen an die entsprechenden Fachleute gestellt werden konnten oder auch neue Werkzeuge, Werkzeugmaschinen oder andere technische Produkte oder Verfahren vorgestellt wurden.
Auf Kosten und im Auftrag dieses Vereins hielt der Gewerbelehrer Heinrich Joseph Spennrath (1852-1902) 1881/82 an zwei Abenden in der Woche Vorträge über gewerbliches Rechnen, Buchführung, Mechanik, Physik und Chemie. Aus diesen Vorträgen ging mit Hilfe städtischer Mittel zunächst eine gewerbliche Abend- und Sonntagsschule hervor, aus der heraus 1887 eine zweijährige gewerbliche Tagesschule der Stadt Aachen entstand, die mit Spennrath als Direktor und über 2000 Schülern 1897 ein eigenes Gebäude an der Martinstraße bezog. Bis heute befindet sich dort eine der gewerblichen Schulen der Stadt Aachen.

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